Pattensen, Stadt, Amt und Domäne Koldingen, Gruppe baulicher Anlagen
Aufnahme: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Lizenz CC BY-SA 4.0)
Der nahe der Leineauen gelegene Ort Koldingen gehörte zusammen mit Reden, Grasdorf und Rethen zu einer Landwehr, die sich heute in Flurnamen wiederfindet und an Geländebewegungen erkennbar ist. Durch die Grafen von Hallermund wurde der benachbarte Orten Reden im 13. Jh. und vermutlich zeitlich nicht weit entfernt auch Koldingen befestigt. Die damalige Wasserburg wurde unter den Braunschweiger Welfen, die bereits 1341 Herren über Koldingen waren, von den Brüdern von Reden weiter ausgebaut. Infolge des Lüneburger Erbfolgekrieges um 1370 ging die Burg an den Bischof von Hildesheim, der hier einen neuen Lehensnehmer einsetzte. Der Bischof nutzte mit dem Besitz die Möglichkeit, direkt vor den Toren der aufstrebenden Stadt Hannover eine militärisch wichtige Bastion einzurichten. Neben dem Ausbau der Wehranlagen verlieh er Koldingen die Bedeutung eines Amtssitzes. Ab Mitte des 15. Jh. begann er eine zweite befestigte Burg oberhalb der Leineniederung anzulegen, was jedoch den Protest der Welfen hervorrief und im Verlauf der Hildesheimer Stiftsfehde zu der Zerstörung der Burg führte. Die Welfen als neue Besitzer ließen 1593 unter Heinrich Julius auf dem Geestrücken ein neues Gebäude im Renaissancestil als Amtshaus erstellen, das in seiner ursprünglichen Form weitgehend erhalten ist. Zu dem Gebäude gehörte offenbar eine im selben Jahr datierte Kapelle, die durch einen 1748 südlich des Amtshauses errichteten Anbau ersetzt wurde. Nachdem die Burg im 17. Jh. an Bedeutung verlor, wurde der Amtssitz am Amtberg weiter ausgebaut, u. a. bekam er ein von Friedrich Weinbrenner entworfenes, 1802 gebautes Gefängnis, heute Amtberg 3. Vom weiteren Ausbau der königlichen Domäne zeugen die 1861 und 1862 gebauten großen Wirtschaftsgebäude Amtberg 8 und 10, dem Amtshaus gegenüber ist in der Holländerei ein Landarbeiterwohnhaus für mehrere Familien erhalten. Nach staatlich preußischer Verwaltung seit 1866 kam die Domäne 1921 in den Besitz der Stadt Hannover. 1935-1939 wurden die zugehörigen Ländereien geteilt und an im Zuge der Gründung der Salzgitterwerke enteignete Bauern abgegeben.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Koldingen
- Gemarkung
- Koldingen
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)