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Hann. Münden, Schlossplatz 3, Welfenschloss

Residenz ➔ Schlossgebäude · Einzeldenkmal · Hann. Münden, Stadt

Auf einer mäßigen Erhebung am Südufer der Werra gelegen, wohl an der Stelle einer hochmittelalterlichen Burg; seit 1247 welfischer Herrschaftssitz. Unter Herzog Erich I. (1470-1540) ab 1501 als Schloss neu erbaut mit Fachwerkoberteil und Holzgalerien, datiert am Treppenturm, die Hauptbauzeit lag vermutlich zwischen 1517 und 1524 (d und a). Als das spätgotische Welfenschloss 1560 teilweise durch einen Brand zerstört wurde, ließ Herzog Erich II. (1528-1584) es ab 1571 im Stil der Weserrenaissance bzw. niederländischen Renaissance als Vierflügelanlage wieder aufbauen. Im Nordosten der Anlage haben sich Teile des älteren Baus erhalten (Treppenturm und zum Fluss hin der polygonal gebrochene zweigeschossige Chor sowie die Kapelle im Kern und große Teile des Werraflügels bis in das zweite Obergeschoss, dessen westlicher Teil 1520 (d) errichtet worden war). 1735-41 erfolgte auf Befehl König Georgs II. v. England der Umbau zur Kaserne; der ehemalige Südflügel aus Fachwerk brannte 1849 ab. Seit 1861 wird das Schloss als Sitz verschiedener Behörden genutzt.
Heute eine nach Süden offene massive Dreiflügelanlage, viergeschossig und unter hohem umlaufendem Dach mir regelmäßig angelegten Lukarnen mit bescheidenem Dekor. Der langgestreckte Werraflügel mit hohen Kreuzpfostenfenstern zeigt an der westlichen Schmalseite einen 1565 fertiggestellten Schweifgiebel mit Tugendfiguren, Obelisken- und Kugeldekor. Am westlichen Ende ist ein Treppenhaus mit je zwei geraden Läufen und Podest zwischen den Geschossen angefügt – über diese Länge hinaus ist der Westflügel nie erweitert worden, stellt sich also verkürzt dar, während der Ostflügel an einem ehemaligen Stadtmauerturm endet und eine vergleichbare Gestaltung zum Werraflügel aufweist. Die Eingänge finden sich hofseitig über verschiedene Portale.
Im Inneren sind zwei Gemächer jeweils mit polygonal gebrochenem spätgotischem Erker erhalten (zweigeschossiger „Chor“ im Außenbau) ebenso einige bedeutende Wandgemäldezyklen der Zeit Herzog Erichs II. (Öltempera, um 1575/80 wohl von niederländischen Künstlern). Im „Gemach zum Weißen Ross" findet sich in antikisch empfundenen Scheinarchitekturen, durchmischt mit zeitgenössischem Formenrepertoire, die Darstellung von sieben Helden des Alten Testaments, dazwischen auf drei Wandfeldern alttestamentliche Heldinnen als Halbfiguren in reichen Rollwerkrahmen; über dem Sandsteinkamin (dat.1562; Kopie?) das Sachsenross; im tiefen Türgewände Narr und gegenüber ein Wilder Mann mit Keule; eine ältere Raumfassung liegt an einigen Stellen frei. Der Raum darüber, das „Römergemach", mit ähnlicher Thematik: Dargestellt sind neun Helden des klassischen Altertums (z.T. frei ergänzt); die einzelnen Wandfelder durch gemalte Karyatiden abgetrennt, die Roll- und Beschlagwerk-Kartuschen noch reicher. Im Original sind hier ein Sandsteinkamin (dat. 1574), Decke und Fußboden überkommen. Weitere Malereireste teils aus der gleichen Zeit, teils aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammend finden sich im „Lepantosaal" (Reste der Lepanto-Schlacht von 1571/1580).

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Münden
Adresse
Schlossplatz 3-10
Gemarkung
Münden

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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)