← Alle Baudenkmäler← Alle Gemeinden← Hameln, Stadt

Hameln, Stadt, Bäckerstraße 48

Wohn-/Geschäftshaus · Einzeldenkmal · Hameln, Stadt

Das traufständige, dreigeschossige und verputzte Wohn-/Geschäftshaus in der Bäckerstraße 48 ist um 1905 errichtet worden. Zuvor hatte sich an dieser Stelle das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Büchner befunden. Besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte auch Hameln durch den Modernisierungsschub im Produktionswesen einen Aufschwung und Strukturwandel des Handels, der auch für das Hamelner Bürgertum Erfolg und Selbstbewusstsein sowie neue und spezialisiertere Geschäftsideen mit sich brachte. Nach der Auflösung des Kauf- und Krämeramtes in Hameln waren dafür variablere Gestaltungsmöglichkeiten bei der Multifunktionalität von Architektur und Geschäftswesen möglich. In Verbindung mit der geschäftlichen Nutzung wurden die Wohn- und Geschäftshäuser des Bürgertums zunehmend im Erdgeschossbereich zu Mietshäusern umfunktioniert. Georg Büchner hatte die Tochter der Vorbesitzerin Dorette Schramme geheiratet, bewohnte mit ihr und seiner Frau das Haus und hatte zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Umbauten vornehmen lassen, um die Möglichkeiten der Auslagenpräsentation zu optimieren. Die Vermietung an Kaufleute wurde für die Hausbesitzer zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Dieser Aspekt hatte vermutlich auch Georg Büchner zu einem Neubau bewegt. Ein Entwurf vom Architekten Bruno Köberle aus dem Jahr 1906 zeigt die entsprechenden Anpassungen an die gewünschte Multifunktionalität: die untere Etage wurde für die Geschäftsanmietung vergrößert und mit großflächigen Schaufenstern versehen, die Fassade und der Eingangsbereich entsprechen zugleich dem Repräsentationsanspruch der wirtschaftlich selbstbewussten Familie. Die Ausführung des Neubaus zeigt einige Abweichungen vom Entwurf Köberles.

Die ausgeführte Putz-Stuck-Fassade ist im Duktus der Zeit repräsentativ mit Bauzierde gestaltet, die sich von den Formen des Historismus zu denen des Jugendstils hin bewegt. Das Mittelfeld der Fassade täuscht optisch vor, ein Mittelrisalit zu sein. In beiden Obergeschossen werden die drei Fensterachsen von vier Lisenen begleitet, welche die Fassade vertikal gliedern. Die oberen Enden werden von zwei Frauen- und zwei Männerköpfen geschmückt, die von floralen Elementen umgeben sind und die wie verzierte Figurenkapitelle das Traufgesims zu tragen scheinen. Über den Kreuzstockfenstern des ersten und zweiten Obergeschosses befinden sich ovale „Ochsenaugen“, die den Dachbereich belichten. Die äußeren beidseitigen Fensterachsen mit schlichteren Ecklisenen und Balustraden enden tiefer als das Mittelfeld, dadurch wird ein räumlicher Versatz innerhalb der Fassade vorgetäuscht. Die Farbigkeit der Fassade ist im Laufe der Zeit wiederholt geändert worden und zeigt heute nicht mehr die Farbigkeit der Erbauungszeit. Die Eingangssituation, die Fensterachsen und plastische, dekorative Fassadengestaltung sind in ihrer Ausformung überkommen, die Fenster sind im Laufe der Zeit erneuert worden

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Hameln
Adresse
Bäckerstraße 48
Gemarkung
Hameln

ÖPNV in der Nähe

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)