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Göttingen, Stadt, Weender Landstraße 2, Denkmal für die Gefallenen der Universität

Gefallenendenkmal · Einzeldenkmal · Göttingen, Stadt

Monumental aus Dolomitblöcken gestaltete Figurengruppe von acht lebensgroßen unbekleideten Männern, die einen Gefallenen auf ihren Schultern nach Norden (d.h. von der Mitte des Universitätsplatzes weg) tragen. Das Denkmal hat eine Gesamthöhe von 5,10 Metern und besteht aus einem hohen, rechteckigen Sockel auf zwei Stufen und darüber der Figurengruppe. Die acht nehmen eine gebeugte Haltung ein; ihre Gesten und Gesichtszüge drücken Schmerz aus. Errichtet ab 1922 als Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen der Universität Göttingen, gestaltet nach 1921 angefertigten Entwürfen des Bildhauers Josef Kemmerich, eingeweiht 1924 unter Teilnahme von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Auf dem betont schmucklos gehaltenen hohen Sockel sind die Namen der 748 Gefallenen alphabetisch geordnet, sortiert dem Rang nach in elf Dozenten, zehn Assistenten, einen Beamten und schließlich 726 Studierende (das entsprach 30% der Immatrikulierten) eingemeißelt. 1957 um eine Inschrift zu den Gefallenen auch des Zweiten Weltkriegs erweitert und in diesem Zusammenhang die nach Süden gerichtete ursprüngliche große Widmungsinschrift „IHREN / IM WELTKRIEGE GEFALLENEN / DIE / GEORGIA-AUGUSTA / 1914 – 1918“ ersetzt durch: „DEN TOTEN / DER / GEORGIA-AUGUSTA / 1914 – 1918 / 1939 – 1945“.
Erste Anregungen zu einem Denkmal gab es bereits Ende 1914, worauf die Universität 1915 eine Kommission zur Errichtung eines Siegesdenkmals einsetzte, was dann aber nicht weiterverfolgt wurde. Als nach dem verlorenen Krieg die Universität 1921 auf eine „monumentale Ehrung“ verzichten wollte, machte der gerade an die Hochschule gekommene Zeichenlehrer und Bildhauer Josef Kemmerich das Angebot zu einem kostenlosen Entwurf mit Modell und einer honorarfreien Ausführung, sodass nur noch Material- und Baukosten anfallen würden. Der Vorschlag wurde dankbar angenommen und der zeichnerische Kemmerich-Entwurf von 1921 weitgehend so ausgeführt. Als Standort war von vorneherein der Platz vor dem Auditorium vorgesehen, wofür dort die seit 1890 stehende Wöhler-Statue weichen musste.
Die großen Dolomitblöcke stammten aus dem Steinbruch der Hildesheimer Firma Franz Küsthardt am Hils bei Eschershausen. Erste Bossierungen erfolgten seit Juli 1922 noch im Steinbruch. Den Transport nach Göttingen besorgte Bildhauer R. Eckardt, die Aufstellung in Göttingen Bildhauer P. P. Müller aus Berlin-Pankow. Vor Ort wurde eine Werkhütte errichtet, wo Kemmerich ab Oktober 1922 selbst 20 Monate arbeitete, unterstützt von Bildhauer Hoffmann-Dassel. Auf der Westseite des schmalen Figurenblock-Sockels finden sich Kemmerichs Initialen „JK“. Die Einmeißelung der Inschriften auf dem großen Sockel führte im März 1923 die Göttinger Steinmetzfirma Otto Eichler aus. Enthüllt und eingeweiht mit Zeremonie wurde das Denkmal am Totensonntag (23. November) 1924 vor einer Menge von 7.000 Zuhörern. Prominentester Redner war der 77jährige Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, der seit 1917 Ehrenbürger der Stadt Göttingen und seit 1921 Ehrenmitglied der Universität Göttingen war. Der Universitätsrektor deutete in seiner Einweihungsrede die Figurengruppe aus der germanischen Mythologie: Die Toten seien wie „eine stolze Schar von Einheriern nach mutigem Kampfe in Walhall eingezogen“. Vergleichbare Denkmale im von Zeitgenossen so bezeichneten „heroischen Stil“ entstanden später vor Universitätsgebäuden in Leipzig, Innsbruck und München. Die das Göttinger Denkmal umgebende Freiflächengestaltung und Einfriedung wurde 1925 oder kurz danach geschaffen. Ursprünglich stand das Denkmal dabei mit seinen zwei Sockelstufen auf einer niedrigen Erdaufwerfung inmitten einer rechteckig angelegten Rasenfläche, die von einer niedrigen Hecke eingefasst war. Zweck der Hecke war nach der Beschreibung von 1925, „den nun geweihten Boden von seiner profanen Umgebung deutlicher abzutrennen“. Im Süden öffnete sich die Hecke, um einem Plattenweg auf das Denkmal zu Platz zu geben. Diese erste Einfassung erfuhr im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Bereichs am Weender Tor um 1960 eine Neufassung durch eine nun nicht mehr eingefriedete und eher asymmetrische Rasen- und Beetfläche. Die letzte Platzgestaltung der Zeit um 1970 ist ein etwas abgesenkter vollständiger Plattenbelag vor dem Auditorium, bei dem das ansonsten unverrückte Denkmal von einem Hochbeet mit niedriger Kunststein-Einfassung gerahmt wird.

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Göttingen
Adresse
Weender Landstraße 2(vor Nr. 2)
Gemarkung
Göttingen

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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)