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Göttingen, Stadt, Ruine Gut Kerstlingeröderfeld, Gruppe baulicher Anlagen

Ruine · Teil einer Denkmalgruppe (Ensemble) · Göttingen, Stadt

Ruinen des ehemaligen Guts Kerstlingeröderfeld auf der fern von der Stadt liegenden großen Lichtung Kerstlingeröder Feld im Stadtwald Göttingen. Außenmauern des Gebäudebestands aus dem 17. und 19. Jahrhundert, zerstört durch Militärbetrieb auf dem Kerstlingeröder Feld in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Das im 14. Jahrhundert erstmals erwähnte Dorf Kerstlingerode fiel im 15. Jahrhundert und erneut im Dreißigjährigen Krieg wüst. Ein Gutsgehöft gab es bereits um 1500. Der heute noch erkennbare Umfang des Gutshofs geht wohl auf eine Neuanlage nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Das Gutshaus entstand „gegen Ende des 17. Jahrhunderts“, die Wirtschaftsgebäude wurden „seit der Mitte des 19. Jahrhunderts neu errichtet“ (Lücke 1969, 211). Zuvor bestanden die Wirtschaftsgebäude ausweislich von Abbildungen des späten 18. Jahrhunderts aus Fachwerk. Das Gut wurde im 18. Jahrhundert bald nach der Gründung der Universität Göttingen beliebtes Ziel der Studenten; im Wirtshausgarten wurde 1772 der „Göttinger Hainbund“ gegründet. 1790 fand hier das legendäre „Lager der Studenten zu Kerstlingeröderfeld“ statt, bei dem die ihrer Wirtschaftsmacht bewussten Studenten in einen Streik gegen die Stadt Göttingen traten. 1928 wurde ein Teil der Flächen des Kerstlingeröder Felds an die Reichsheeresverwaltung zur Schaffung eines Exerzier- und Manövergeländes abgegeben. 1939 mussten in der Zeit des Nationalsozialismus auch die übrigen Flächen der letzten Eigentümerfamilie von Wangenheim unter politischem Druck abgegeben werden. Das Manövergelände gehörte zum Infanterie-Regiment der 1936 errichteten Göttinger Zieten-Kaserne. Der Gutshof wurde von der Stadt Göttingen übernommen und noch bis 1961 als Pachthof landwirtschaftlich genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übte von 1945 bis 1957 auf dem Kerstlingeröder Feld die Britische Rheinarmee, bevor der Platz an die deutsche Bundeswehr für Panzergrenadiere der Zieten-Kaserne übergeben wurde. Dann intensivierte sich der militärische Übungsbetrieb, was spätestens zur Zerstörung der Gutsgebäude führte. Nach dem Abzug der Bundeswehr 1993 gingen das Kerstlingeröder Feld und die malerischen Gutsruinen in den Besitz der Stadt Göttingen über. Die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Fläche von Feld und Ruinen wird seither vom Stadtforstamt betreut. Eine erste Ruinensicherung (Betonabdeckung der Mauerkronen) war schon zu Bundeswehr-Zeiten erfolgt.
Das durch historische Abbildungen des 18. und 19. Jahrhunderts sowie einen Lageplan von etwa 1920 in seinem Aussehen genauer überlieferte Gut Kerstlingeröderfeld bestand aus einer langgestreckten Hofanlage, bei der sich vier Gebäude unregelmäßig in offener Bauweise um einen Wirtschaftshof gruppierten. Die Hauptzufahrt erfolgte von Süden, wo heute noch ein Weg vorbeiführt. Im Osten lag das barocke, zweigeschossige Gutshaus mit Walmdach, westlich davon standen ein Schafstall, eine winkelförmige Scheune und ein Viehstall, der an seinem dem Gutshaus zugewandten Ostende auch Gästezimmer der Ausflugswirtschaft enthielt. Alle Gebäude waren in Massivbauweise mit Kalkbruchsteinmauerwerk und Einfassungen der Fenster und Türen in Sandstein errichtet. Von den vier Gebäuden des geschützten Ruinen-Ensembles sind beträchtliche Reste des Außenmauerwerks (bis etwa 4 m Höhe) mit Öffnungen erhalten, so dass Lage und Hofbildung ablesbar sind. Unter der Grasnarbe ist teilweise altes Hofpflaster vorhanden.

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Göttingen
Adresse
Kerstlingeröderfeld
Gemarkung
Göttingen

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)