← Alle Baudenkmäler← Alle Gemeinden← Göttingen, Stadt

Göttingen, Stadt, Lange-Geismar-Straße 32, Mauerstraße 33

Wohn-/Geschäftshaus · Einzeldenkmal · Göttingen, Stadt

Wohn- und Geschäftshaus, errichtet 1905 für den jüdischen Manufakturwarenhändler Simon Cohn nach Plänen des Göttinger Architekten Rudolf Hannig als Ersatzneubau auf einer zuvor schon von Cohn bewohnten trapezförmigen Altstadt-Parzelle. Der Neubau nimmt gegenüber den Vorgängerbauten neue zurückgesetzte Fluchtlinien auf. Die ursprünglich eingereichten Baupläne vom März 1905 sind etwas anders ausgeführt worden. Vorne zur Lange-Geismar-Straße präsentiert sich der realisierte Bau in geschlossener Bauweise breit und dreigeschossig mit Ladenzone und Eingang im Erdgeschoss sowie darüber zwei Wohngeschossen mit gelber Klinkerfassade und gerundet vortretendem Schmuckerker in Jugendstilformen. Der Baueingabeplan zeigte zunächst noch altertümlichere Formen der Neorenaissance. Um eine größere Gebäudetiefe zu erreichen und den Dachraum besser nutzen zu können, wurde das traufständige Satteldach asymmetrisch mit ungleichen Dachneigungen ausgebildet und eine breite Mittelgaube mit Freisitz aufgesetzt. Der rückwärtige kleine Innenhof, dessen Fassaden schlicht verputzt sind, wird seitlich von einem Seitenflügel gerahmt, der nur einen Verbindungsgang zum Rückgebäude aufnimmt, das in allen drei Geschossen je eine kleine Wohnung beherbergt. Die schmale Rückfassade (Mauerstr. 33) ist ohne Straßeneingang und gestalterisch anders mit roten Klinkern ausgebildet; sie orientiert sich an der Rückfassade des Nachbarhauses Lange-Geismar-Str. 33/34.
Im Inneren wurde bisher (Stand Februar 2025) nur der kappengewölbte Keller des Rückgebäudes besichtigt, der als Besonderheit eine bauzeitliche Privatmikwe aufweist, zu der eine kleine, oben verschlossene Regenwasser-Zisterne im Innenhof gehört. Das Ritualbad des Kaufmanns Cohn entstand vermutlich im historischen Zusammenhang eines Streites zwischen Göttinger Juden orthodoxer und liberaler Ausrichtung, bei der die Orthodoxen – trotz ursprünglicher Zusage – keine gemeinsame Mikwe in der neuen Stadtsynagoge durchsetzen konnten. Bisher ist außer dieser Privatmikwe nur ein weiteres Beispiel im Keller von Rote Straße 28 bekannt. Das kleine, mit weißen Fliesen ausgekleidete Tauchbad in einer sockelartigen Aufkantung weist seitlich ein Eisengeländer auf, ist winkelförmig angelegt und besteht aus einem vierstufigen Treppenabstieg sowie dem eigentlichen Tauchbecken. Vom ehemaligen Wasserzulauf aus der Hofzisterne ist an der westlichen Kellerwand der rituell vorgeschriebene Einlaufstein mit Rinne erhalten. Der Metalldeckel auf dem Kellerfußboden deutet auf ein unterirdisches Wasserauffangbecken, ähnlich wie bei Rote Straße 28. Nach Norden zur Mauerstraße weist der Mikwenraum ein auffällig großes Kellerfenster auf; das zweiflügelige Holzfenster mit Schmuckgriff ist wohl bauzeitlich.

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Göttingen
Adresse
Lange-Geismar-Straße 32
Gemarkung
Göttingen

ÖPNV in der Nähe

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)