Göttingen, Stadt, Kurze Straße 12, Gasthaus Schwarzer Bär
Das stattliche Renaissance-Fachwerkvorderhaus des „Schwarzen Bären“ steht in geschlossener Reihe traufständig und weist zehn Fachwerkachsen Breite auf, wobei der Bau durch ein asymmetrisch aufgesetztes, breites Zwerchhaus im Straßenbild noch besonders betont wird. Das zur Straßenseite ausgerichtete Schmuckfachwerk mit einer dekorierten Deckenbalkenzone steht in der Tradition gotischer Fachwerkdielenhäuser, die sich durch ein hoch aufgeständertes Erdgeschoss mit einem aufgesetzten Speichergeschoss in etwa 30 cm vorkragender Stockwerksbauweise kennzeichnen. Gleichwohl wirkt der ursprünglich zweigeschossig konzipierte Bau dreigeschossig, weil auch hier in der rund 5 m hohen Erdgeschosshalle später 1712 ein Zwischengeschoss eingezogen wurde, das eigens befenstert ist. Stilistisch zeigen die Schmuck- und Detailformen des Fachwerks typische Volutenkonsolen, wie sie in Göttingen in der Zeit um 1600 üblich waren, wobei hier mit die frühesten Beispiele vorhanden zu sein scheinen, denn die Holzkonstruktion ist dendrochronologisch 1581/82 datiert. Eingeschoben in die ursprünglich hohe Halle gab es nur rechts eine sogenannte Hausstube, die sich an der Fassaden durch einen leicht vortretenden Erker zeigt, der etwas modernere Profilverzierungen aufweist, aber ebenfalls 1581/82 datiert werden konnte. Im Erdgeschoss sitzen zwei große Tore, wobei das linke als historisierende Zufahrt zum rückwärtigen Innenhof aus dem 20. Jahrhundert stammt. Die Fassaden haben weitere historisierende Veränderungen während der langen Zeit intensiver Gasthausnutzung erfahren, die im Einzelnen noch nicht bauhistorisch untersucht wurden.
Im Gebäudeinneren (Stand 2011) gibt es einen älteren Gewölbekeller des 14. Jahrhunderts, der von einem Vorgängerbau stammt. Die Geschossdecken des Fachwerkbaus zeigen typisch verputzte Deckenbalken. Im ersten Obergeschoss sind in de ehemaligen Stubenkammer eine spätmittelalterliche Türöffnung mit Eselsrücken sowie ein Türblatt mit Kastenschloss und Schippenbändern erhalten; des Weiteren historische Treppenanlagen des 18. und 19. Jahrhunderts sowie Wandverkleidungen des 19. Jahrhunderts. Im bauzeitlichen Dachwerk des 16. Jahrhunderts, einem Kehlbalkendach mit mittig stehendem Stuhl im ersten Dachgeschoss sowie Firstständern in den Giebelwänden, befindet sich eine Räucherkammer.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Göttingen
- Adresse
- Kurze Straße 12
- Gemarkung
- Göttingen
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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)