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Göttingen, Stadt, Kasseler Landstraße 1, Jüdischer Friedhof Göttingen

Friedhof · Einzeldenkmal · Göttingen, Stadt

Der wohl noch Ende des 17. Jahrhunderts entstandene Jüdische Friedhof Göttingen befindet sich an der westlichen Ausfallstraße (Kasseler Landstraße, Bundesstraße 3) direkt am alten Stadtrand, südwestlich der Gerichtslinde und in unmittelbarer Nähe des früheren Richtplatzes. Der westlich anschließende und um ein Mehrfaches größere kommunale Friedhof (Alter Friedhof) ist erheblich jünger als der jüdische Friedhof und wurde erst 1881 eröffnet. Der mehrfach erweiterte Jüdische Friedhof besteht heute aus einem älteren Teil im Südwesten und einem jüngeren, 1925-26 angelegten, östlichen Teil an der Straße ‚An der Gerichtslinde‘. Das gesamte Friedhofsareal ist rundum von Mauern umschlossen und eingefriedet; die zwischen älterem und jüngerem Teil stehende Bruchsteinmauer ist die älteste erhaltene Friedhofsmauer.
Innerhalb des älteren Friedhofsteils sind mehrere Erweiterungsphasen erkennbar, wobei sich der älteste Bereich im Südwesten durch große liegende Grabplatten aus Sandstein auszeichnet. Hier verweist die Inschrift des ältesten erhaltenen Grabsteins auf das Jahr 1701. Daran schließen sich nordwestlich genauso auffällig von Nordwesten nach Südosten ausgerichtete, stehende Grabsteine an. Die nächste Erweiterung ist nach Osten an den anders und nun streng in Ost-West-Richtung orientierten Grabsteinen erkennbar. Dieser Bereich wird zusätzlich von einer Nord-Süd-Baumallee durchzogen, die vom (laut Torpfeiler-Inschrift 1881 neu angelegten) Nordportal ausgeht und im zeitlichen Zusammenhang mit dem Bau des benachbarten Stadtfriedhofs entstand.
Die im älteren Friedhofsteil erhaltenen 348 historischen Grabsteine aus verschiedenen Natursteinarten gehören zu Einzel- oder Familiengrabstellen jüdischer Bürger der Stadt Göttingen und weisen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts oft steinerne Einfassungen auf. Das gestalterische Formenrepertoire der stehenden Grabsteine ist der Biedermeierzeit und Gründerzeit entnommen. Während die älteren Grabsteine nur hebräische Inschriften aufweisen, sind die jüngeren Steine auch oder nur mit deutschen Beschriftungen versehen. Inmitten der Grabsteine steht als formale Ausnahme herausragend das repräsentativ gestaltete Mausoleum für Siegmund und Lina Deutschmann, das 1915 nach Entwürfen des Göttinger Architekten Wilhelm Rathkamp aus Wesersandstein entstand.
Die Baumallee in Nord-Süd-Richtung fluchtet seit 1955 im Süden auf eine kleine rechteckige Platzfläche mit einem Gedenkstein für die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Göttingens. Unter der hebräischen Inschrift "Le-Zikaron olam" (Zum Ewigen Gedenken) steht auf Hebräisch ein Text aus den Klageliedern, der darunter in deutscher Frakturschrift wiederholt wird: „Mein Auge rinnt / und ruht nicht, / keine Linderung / Klagelieder III 49 / Zum Andenken an / die Mitglieder unserer / Gemeinde, die in einer / Zeit ihr Leben lassen / mussten, in der die Liebe / und die Achtung / vor den Menschen / gestorben waren / 1933-1945“. Der Gedenkstein wurde vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Ernst Engwicht entworfen und von der Stadt finanziert.
Der östliche, jüngere Teil des Jüdischen Friedhofs ist 1925/26 auf einem aufgeschütteten und dadurch etwas höher liegenden Gelände entstanden, wo derzeit (Stand 2026) auch der hauptsächlich benutzte Friedhofseingang ist. In diesem Bereich befinden sich nur Grabsteine der Zeit nach 1945; er dient vor allem seit 1990 der örtlichen jüdischen Gemeinde wieder als Begräbnisplatz. Eine Besonderheit ist die in diesem Bereich 1954 auf Kosten der Stadt errichtete Leichenhalle, ein kleines Gebäude mit Fassaden aus geschlämmtem Sichtbacksteinmauerwerk unter Satteldach mit knappen Überständen an den Ortgängen. Vor dem Trauerhallen-Eingang lehnt an der Friedhofs-Trennmauer ein Gedenkstein mit aufgeschraubter Bronzeplatte, die an die 19 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Gemeinde erinnert, laut Inschrift „gewidmet / vom Reichsbund jüd. Frontsoldaten / Ortsgruppe Göttingen“.

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Göttingen
Adresse
Kasseler Landstraße 1a
Gemarkung
Göttingen

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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)