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Göttingen, Stadt, Groner-Tor-Straße 30, St. Marienkirche

Kirche · Einzeldenkmal · Göttingen, Stadt

Die unmittelbar westlich des Leinekanals gelegene evangelisch-lutherische St. Marienkirche war ursprünglich die Pfarrkirche der seit etwa 1280 bestehenden Göttinger Neustadt, deren 1319 erstmals erwähnter südlicher Torturm die Durchfahrt von der Groner-Tor-Straße zur Neustadt war und zugleich in Doppelfunktion als Kirchturm diente. Der ursprünglich einschiffige Kirchenbau ist an der Eckquaderung in der Westfassade ablesbar. Dass im Kern des heutigen Kirchengebäudes Reste des Ursprungsbaus aus dem späten 13. Jahrhundert stecken, legen auch dendrochronologisch auf 1298/99 datierte, im Sakristeidach wiederverwendete Balken nahe. Seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Ursprungsbau in Bruchstein mit Sandsteingliederungen zu einer dreischiffigen, dreijochigen Anlage erweitert, wobei man das Südschiff erheblich breiter als das nördliche anlegte, um bündig an den Torturm anzuschließen. Bemerkenswert ist das Nordportal des 14. Jahrhunderts mit Laubwerk in den Archivolten. In einer wohl getrennten Bauphase wurde die Kirche nachträglich zur kreuzrippengewölbten Staffelhalle erhöht und erhielt im Innern stämmige Achteckpfeiler mit Laubwerkkämpfern und darüber im Mittelschiff Kurzdiensten. Erst im 15. Jahrhundert begann der Chorumbau in Quaderbauweise und mit Neueinwölbung, der 1510/12 vollendet war. Der heutige Chorbau ist Ergebnis einer zwischenzeitlchen Verkürzung mit geradem Chorschluss im 18. Jahrhundert, worauf 1887-90 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase eine neugotische Rekonstruktion auf wiederum polygonalem Grundriss folgte. Schon zuvor hatte Hase 1864 und 1883-85 eine Neuausgestaltung der Kirche geleitet, deren Innenausstattung mit Kanzel und südliche Seitenempore mit ansteigenden Rängen in der gesamten Breite des Südschiffs bis heute erhalten sind. Das Hauptstück dieser neugotischen Neuausstattung war die von Hase frei entworfene Neugestaltung des Kreuzaltars, wobei er Teile eines spätgotischen Wandelaltars von 1524 mit Schnitzereien von Bartold Kastrop und Malereien von Heinrich Heisen integrierte, die zwischenzeitlich in einem evangelischen Kanzelaltar der Barockzeit verbaut waren. Orgelgeschichtlich bedeutend ist die 1925-26 eingebaute Mahrenholz-Furtwängler-Orgel. Sie war die erste nach dem barocken Werkprinzip realisierte Orgel und gab der in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden sogenannten Orgelbewegung wichtige Impulse. 1968-69 erfolgte eine erneute grundlegende Kirchenrestaurierung, wobei man u.a. den statisch instabil gewordenen Bau mit Betonpfählen unterfing und in die alten Maßwerkfenster eine bunte Betonverglasung als frühe Werke von Johannes Schreiter einbaute.

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Göttingen
Adresse
Groner-Tor-Straße 30
Gemarkung
Göttingen

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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)