Göttingen, Stadt, Gotmarstraße 1, Lichtenberg-Haus
Das sogenannte „Lichtenberg-Haus“ ist ein dreigeschossiges, traufständiges Fachwerkgebäude in zentraler Altstadtlage an einer Kreuzung, das zweiflügelig repräsentativ eine der vier Straßenecken Gotmarstraße / Prinzenstraße besetzt. Das auf einem hohen Sandsteinquadersockel sitzende, stockwerksweise abgebundene Fachwerk ist in spätbarocker Manier ohne Vorkragungen und ohne Streben ausgebildet und in seinen Fassaden wahrscheinlich ursprünglich monochrom gefasst gewesen. Sockel- und Gurtgesimse sind schlicht fasziert, wohingegen das oben abschließende Kranzgesims unter dem abgewalmten Satteldach überaus kräftig profiliert ist. Die Durchfensterung der Straßenfassaden erfolgt mit vornehmen Segmentbogenöffnungen; die jeweils vierflügeligen Fenster schlagen nach außen auf. Hauptschmuck des Baus ist die zur Straßenkreuzung hin (offenbar nachträglich) hergestellte, breit abgeschrägte und mit Frontispiz versehene Schmalseite, deren eine Achse ausgezeichnet ist durch große gerahmte Rundbogenöffnungen und zwei in der Göttinger Innenstadt seltene historische Balkone mit eisernem Schmuckgitter. Die beiden Seitenflügel-Straßenfassaden sind sehr ähnlich, aber in einem wesentlichen Detail unterschiedlich gegliedert: Während die sieben Achsen des Gotmarstraßen-Flügels rhythmisch gegliedert sind und in ihrer Mitte im Erdgeschoss den Haupteingang aufnehmen, sind die sieben Fensterachsen des Prinzenstraßen-Flügels gleichmäßig verteilt. Dieser Flügel ist im Sockel und Erdgeschoss durch den großen Ladeneinbau der Zeit um 1900 verändert. Ein altes Foto zeigt die früher rechts außen angeordnete, rundbogige Torfahrt zum Innenhof. Die hofseitigen Fachwerkfassaden sind mit ebensolchem Fachwerk wie an der Straßenseite mit Gurtgesimsen und Segmentbogen-Fensteröffnungen versehen, lediglich das kräftige Kranzgesims der Straßenseiten ist schlichter ausgeführt.
Im Gebäudeinneren ist ein großer Bestand an historischer wandfester Ausstattung erhalten: Im Keller zwei Tonnengewölbe und zwei mehrjochige Kreuzgratgewölbe mit Mittelstützen von Vorgängerbauten. Darüber historische Grundrisse, die teilweise in Bogenstellungen aufgelöst sind, barocke Türen mit segmentbogigen Rahmungen und Bockshorn-Beschlägen, Ofennischen, Öfen, Lamberien sowie als besonderer Blickfang in der Diele die barocke Treppenanlage, deren geschlossene Geländer mit fein-verschlungenem Bandelwerk-Reliefs verziert sind. Im Inneren des zweigeschossigen, gründerzeitlichen Ladeneinbaus im Prinzenstraßen-Flügel fällt eine kassettierte Stuckdecke auf hohen gusseisernen Ziersäulen auf.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Göttingen
- Adresse
- Gotmarstraße 1
- Gemarkung
- Göttingen
ÖPNV in der Nähe
- Göttingen Landgericht/Bahnhof · 511 m
- Göttingen Markt · 128 m
- Göttingen Theaterstraße · 219 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)