Göttingen, Stadt, Am Leinekanal 1, Stockleffmühle, Große Mühle
Stockleffmühle (auch sog. Große Mühle), am Ostufer des Leinekanals gelegen, kurz vor dem nördlichen Austritt des Wasserlaufs aus der vom Wall umschlossenen Altstadt. Ältere langgestreckte Sandsteinmauer von Vorgängerbauten mit Spuren der ehemaligen Mühlennutzung; dahinter und darauf sitzt ein mächtiger Mühlen-Fachwerkbau der Zeit um 1600 mit jüngeren Einbauten und vollständig erhaltenem, bauzeitlichem Dachwerk. Der Mühlen-Anbau hinter dem nördlichen Mauerteil wurde 1967 abgebrochen.
Die Stockleffmühle besteht aus einer langgestreckten Sandsteinmauer am Ostufer des Leinekanals mit dahinter einem mächtigen Fachwerkbau unter hohem Satteldach. Der ältesten erhaltenen Gebäudeteile sind die Ufermauer am Leinekanal und darauf die massive Westfassade der Großen Mühle aus mächtigem Sandsteinquadermauerwerk, auf und hinter der um 1600 und im 18. Jahrhundert neue Fachwerkbauten entstanden. Im Mauerwerk sind die Öffnungen der ehemaligen Mühlrad-Achsen und weitere Baubefunde der Bau- und Nutzungsgeschichte ablesbar. Die „1804“ datierte, zugesetzte Türrahmung erschloss ehemals das Wehr zur Wasserregulierung, dessen Stufe im Kanalbett noch sichtbar ist. Der nördliche Teil der Mauer steht seit dem Gebäude-Teilabbruch von 1967 allein. Der erhaltene Fachwerkbau zeigt an der Westfassade unter der Traufe stilistisch typische Voluten-Knaggen und Gesims-Schnitzereien der Zeit um 1600 und enthält im Dachwerk dendrochronologisch datierte Bauhölzer von 1595/96 (sowie wiederverwendete ältere Bauhölzer). Das hölzerne Kernbaugerüst war im Innern offenbar zweischiffig, wobei Stützen und zwei mächtige Längsunterzüge den offenen und hohen Maschinenraum bildeten, dessen technische Ausstattung oberirdisch verloren ist. Zweigeschossige Fachwerkeinbauten im Osten und Süden stehen offenbar mit historischen und teilweise späteren Umbauten mit Betriebs- und Wohnräumen in Verbindung.
Eine Besonderheit ist das vollständig aus den 1590er-Jahren erhaltene Dachwerk, das bis heute seine zweigeschossige Lagerfunktion für Getreideschüttungen mit stützenfreien Dielenböden erlebbar sein lässt. Die Konstruktion ist ein Kehlbalkendach mit einem zweigeschossig durchlaufenden liegenden Stuhl, wobei die auskreuzenden Längsverbindungen in die Stuhlebene eingebunden ist. Kehlbalken und Stuhlriegel sind durch charakteristische, senkrecht angeblattete Doppelbänder verbunden. In der ersten Dachebene ist an der Südseite eine jüngere Fachwerk-Räucherkammer erhalten.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Göttingen
- Adresse
- Am Leinekanal 1
- Gemarkung
- Göttingen
ÖPNV in der Nähe
- Göttingen Landgericht/Bahnhof · 327 m
- Göttingen Weender Straße-West · 125 m
- Göttingen Weender Straße-Ost · 155 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)