Celle, Stadt, Straßenzug Berggartenstraße, Gruppe baulicher Anlagen
Vor dem Hehlentor entstand im 19. Jh. entlang der nördlich der Aller gelegenen Ausfallstraßen nach Bremen, Harburg, Lüneburg und Wittingen eine bevorzugte Vorstadt, die nach und nach aufgesiedelt wurde. Die Berggartenstraße ist dabei relativ spät ab 1906 geplant und ab 1908 angelegt worden als Verbindungsstraße zwischen Lüneburger Straße und Altenhägener Gasse (heute Schlepegrellstraße).
Das Gelände der Berggartenstraße war zuvor privates Wiesen- und Gartenland, das größtenteils dem Rentier Eduard Holste gehörte, der sich 1906/07 von dem Architekten Otto Haesler (1880-1962) sein Wohnhaus Lüneburger Str. 46 bauen ließ. Dies war der erste Wohnhausneubau des jungen Haesler in Celle und es ist nicht ausgeschlossen, dass Haeslers späteres Entwurfs- und Investoren-Engagement in der Berggartenstraße hier seine wirtschaftliche Grundlage fand. Haesler hatte im südlichen Abschnitt der Berggartenstraße Grundstücke erworben und trat dort selbst als Investor für zunächst 21 Grundstücke auf. Sein Bebauungsplan sah eng gereihte, etwa 500 qm große Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser mit individuellen Grundrissen und Gartengestaltungen vor. Ein besonderes städtebauliches Merkmal war die Staffelung der Bebauung der Ostseite in zwei Reihen hintereinander, so dass die rückwärtigen Grundstücke von der Straße aus nur über schmale Fußwege hätten erreicht werden können. Da der Haesler-Bebauungsplan nur ansatzweise und im Detail verändert umgesetzt wurde, ist das originelle Zweireihen-Konzept lediglich an einer Stelle (Nr.9) verwirklicht worden. Haeslerbauten finden sich bei insgesamt acht Berggartenstraßen-Liegenschaften aus den Jahren 1909 bis 1911, die er als Architekt, Investor, Bauträger und Vermieter umsetzte. Auch die übrigen Grundstücke an der Berggartenstraße sind offenbar nicht in den freien Verkauf gekommen, sondern an weitere Bauträger und Architekteninvestoren gegeben worden, wodurch einige Häuser von anderen bekannten Celler Architekten und Bauunternehmern stammen, so etwa von der Firma W. Krüger, von Johannes Möller sowie von der Baufirmen Welge & Bergen. Die ersten Anwohner der neuen Berggartenstraße kamen aus dem gehobenen Bürgertum; es waren hohe Juristen, Werksdirektoren, höhere Stadtangestellte, Lehrer usw.
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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)