Bad Harzburg, Herzog-Julius-Straße 7, Sommerhaus von Amsberg
Ehemaliges Sommerhaus des Philipp August von Amsberg, das 1840 als dreiflügeliger und voll unterkellerter Fachwerkbau mit Satteldach und Natursteinsockel südlich des Bahnhofs errichtet wurde. Die zweigeschossige Villa mit übergiebelten Eck- bzw. Seitenrisaliten ist weitgehend mit einer horizontalen, gestüpten Brettschalung versehen. Die Giebeldreiecke zeigen die regionaltypische Holzdeckelschalung als Vertikalverbretterung mit gesägten Zierornamenten, den sog. Spitzen, wie sie um 1840 erstmals auftraten.
Eine historische Ansicht von Süden aus der Zeit um 1850 zeigt die Villa innerhalb des als romantische Felsenlandschaft mit Wasserspielen gestalteten Gartens, dessen Reste auch heute noch im Umfeld der Villa auszumachen sind.
Die ursprüngliche Dacheindeckung in großformatigen, diagonal verlegten, quadratischen Platten deutet auf eine rote Sollingsandsteineindeckung hin. Spätestens mit dem Bau der Eisenbahnverbindung nach Holzminden im Jahre 1865 war dieses Material im größeren Maßstab in allen Landesteilen erhältlich.
Die heutigen Fensterausschnitte mit quadratischen Formaten im Halbgeschoss und mit querrechteckigen Formaten im zweiten Obergeschoss der übergiebelten Risalite sind aufgrund dieser und einer weiteren Fotoansicht der Zeit um 1920 als eindeutig bauzeitlich anzusehen. Durch Herausnahme der Pfosten wurde aus den Zwillings- bzw. Drillingsfenstern die heutigen, einteiligen Fensterformate.
Obschon der Fundamentsockel umlaufend keine Baufugen aufweist, wurde das Gebäude vermutlich noch zu Lebzeiten von Ambergs nach Norden erweitert. Dies geschah vermutlich durch Aufstockung der beiden nördlichen Flügel. Der südöstliche Seitenflügel wurde dabei in zwei Geschossen auf der Tiefe von zwei Räumen als übergiebelte Risalite erweitert, der nordwestliche Seitenflügel ebenfalls in zwei Geschossen, allerdings nur auf der Tiefe von einem Raum mit jeweils einem Giebel nach Nordwesten und Nordosten.
Die einhüftige Anordnung der drei Flügel läßt im wesentlichen nur die heutige Grundrißstruktur mit additiv angeordneten, annähernd quadratischen Räumen zu. Der Hauptzugang erfolgt nach wie vor von Nordwesten über die bauzeitliche, zweiflügelige Rahmenfüllungstür mit Oberlicht. Nördlich der Haustüre sowie in den Giebeldreiecken befinden sich noch heute die übergiebelten, schmalen Fensterbahnen der Bauzeit.
Unmittelbar südlich der Tür im Seitenrisalit analog zur H-förmigen Grundflächenausbildung von Wilhelmitorwall 29 in Braunschweig von 1841 findet sich eine heute zugesetzte Fensteröffnung.
Der heutige Innenausbau mit mehreren Mietwohnungen folgt im Wesentlichen dem Zeitgeschmack um 1960. Obschon einige zusätzliche Zwischenwände eingestellt wurden, ist die ursprüngliche Grundrißstruktur weitgehend unveränderbar erhalten geblieben. Die ungewöhnliche, extrovertierte Ausrichtung der Räume um einen Innenhof läßt kaum eine abweichende Erschließung und Reihung der Räume zu.
Eine fotografische Aufnahme der Zeit um 1920, nachdem die Stadt Bad Harzburg das Gebäude 1916 als Kindererholungsheim umgenutzt hatte, zeigt bereits den heutigen Zustand.
Als gleichfalls besonders beachtenswert muß der nach wie vor vorhandene Wintergarten, ein fünfpolygonaler Anbau mit Eisenfenstern betrachtet werden. Für einen Wintergarten aus vorgefertigten Eisenelementen der Zeit um 1840 werden sich in Niedersachsen kaum Vergleichsbeispiele finden lassen.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Bad Harzburg
- Adresse
- Herzog-Julius-Straße 7
- Gemarkung
- Bad Harzburg
ÖPNV in der Nähe
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Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)