Gerson Stern
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Gerson Stern (* 7. Juli 1874 in Holzminden; † 15. Januar 1956 in Jerusalem) war ein deutschsprachiger Dichter und Schriftsteller. Stern entstammte einer seit Beginn des 18. Jahrhunderts in Holzminden angesiedelten jüdischen Kaufmannsfamilie. Sein Vater Joel (1834–1888) war wie bereits dessen Vater zeitweise Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Er heiratete 1872 Johanna geb. Kleestadt aus Ossendorf, heute ein Stadtteil von Köln. Gerson Stern war der zweite Sohn von insgesamt vier Kindern. Er besuchte die Grundschule in Holzminden. 1884 zog die Familie nach Elberfeld, wo der Vater Teilhaber am Textilunternehmen seines Bruders wurde. Nach Abschluss der Mittleren Reife am Realgymnasium in Elberfeld erhielt Stern eine kaufmännische Ausbildung, die in den nachfolgenden Jahren zu verschiedenen Anstellungen führte, z. T. im angrenzenden europäischen Ausland. Von Jugend an litt Stern an Erkrankungen der Galle und des Darms, die immer wieder längere Kranken- und Kuraufenthalte notwendig machten. 1914 wurde er als kriegsdienstuntauglich zurückgestellt. Während des Krieges war er bei einer Reichsstelle für Ernährungsorganisation in Berlin tätig. Dort, in der Familie seines älteren Bruders Manuel lernte er Erna Schwarz (1894–1967), die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns aus Metz, kennen. Sie heirateten 1917. Statt der zunächst geplanten Rückkehr nach Elberfeld zog Stern in den kleinen Ort Kiedrich im Rheingau, wo er 1920 den Cratzischen Hof erwarb, zu dem auch ein Obstgut gehörte. Das Wohnhaus benannte er (seinen Familienrufnamen „Sönne“ aufgreifend) „Haus Sönneck“ umrahmt von zwei Magen David, die sein Judentum bekannten. 1920 kam das einzige Kind, der Sohn Joel, zur Welt. Zeitweise war Stern Teilhaber einer Zuckerwarenfabrik, die jedoch während der Inflation aufgegeben werden musste, meist jedoch verdiente er seinen Unterhalt als Vertreter des Textilunternehmens seiner Schwiegereltern in Frankfurt. Ab 1931 zog sich Stern aufgrund seiner immer wieder aufflammenden Gallenerkrankung aus dem kaufmännischen Berufsleben zurück und engagierte sich zunehmend zusammen mit seiner Frau in der jüdischen Gemeindearbeit, Erna im Frauenkreis und Gerson in der Jugendarbeit und gelegentlich als Vorbeter in der Synagoge von Eltville. Stern erkannte früh, was die Machtübernahme Hitlers und der Nationalsozialistischen Partei 1933 für das Leben der Juden in Deutschland bedeuten würde. Er hat es später in seinem Roman Die Waage der Welt dann dargestellt. Schon früh erwog er die Immigration seiner Familie nach Palästina. Eine mehrmonatige Reise dorthin 1936 diente der Vorbereitung. 1937 wurden das Haus und Landgut in Kiedrich verkauft. Erst im März 1939 nach Zwischenaufenthalten in Köln und Frankfurt und Sterns zweimaliger Verhaftung wegen angeblicher Devisenvergehen konnten sie Deutschland unter erheblichem Vermögensverlust verlassen und nach Palästina auswandern. In Jerusalem fanden die Sterns ein Haus in Rechavia, einem Stadtteil, wo damals viele Immigranten aus Deutschland lebten. Wenngleich sich Stern zunehmend schriftstellerisch und journalistisch betätigen konnte, so vor allem in dem deutschsprachigen Mitteilungsblatt, wurde der Lebensunterhalt wesentlich durch Ernas wiederaufgenommene Berufstätigkeit als Heilsmasseurin bestritten. Stern gehörte in Jerusalem zum Kreis der deutschsprachigen Immigranten, der sich um den Rabbiner Kurt Wilhelm und die Synagoge Emet w‘Emuna bildete, wo man in der Tradition der deutschen Lehrhausbewegung ein diverses Vortragsprogramm anbot, bei dem Professoren der Universität wie der Philosoph Samuel Hugo Bergmann, Kabbalaforscher Gerschom Scholem oder der Pädagoge Ernst Simon und Martin Buber mitwirkten. Nähere Freundschaften verbanden Stern mit Schalom Ben-Chorin, mit dem er 1941 die deutschsprachige Anthologie Menora herausgab, mit Else Lasker-Schüler, an deren Lese- und Vortragskreis Der Kral er teilnahm, und mit Robert Weltsch, der als Chefredakteur der Jüdischen Rundschau vorstand bis zu seiner Emigration nach Palästina 1938. Mit den in Palästina lebenden Juden begrüßte Stern den von der UN-Generalversammlung im November 1947 beschlossenen UN-Teilungsplan für Palästina in einen arabischen und jüdischen Staat, der freilich von der arabischen Bevölkerung nicht akzeptiert wurde. Umso bestürzender war für Erna und Gerson der Tod Joels, ihres einzigen Kindes, der im Februar 1948 während der oft gewaltsamen Auseinandersetzungen um die Staatsgründung Israels vor dem Elternhaus von einem englischen Militär erschossen wurde, als er einem Verwundeten zur Hilfe kam. Im Kreis der deutschsprachigen Immigranten ehrte man Gerson Stern bis zu seinem Tode Anfang 1956 als angesehene Persönlichkeit, Dichter und Schriftsteller. Erna Stern versuchte bis zu ihrem Tod im August 1967 ohne Erfolg, deutsche Verlage für das Werk Sterns zu interessieren. Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen wurden am 16. März 2010 zum Gedenken Sterns und seiner Familie vor dem ehemaligen Wohnhaus in Kiedrich drei Gedenksteine in Form von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gerson_Stern (Wikipedia-Autoren, CC BY-SA 4.0, Stand: 22.08.2026)