Hannover, Landeshauptstadt, Stadtfriedhof Stöcken, Gruppe baulicher Anlagen
Aufnahmen: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Lizenz CC BY-SA 4.0)
Der Stöckener Friedhof erstreckt sich im Nordwesten Hannovers auf einer Fläche von 55 Hektar und ist 1891 als zweiter kommunaler Friedhof der Stadt eröffnet worden. Die erste, rund 23 Hektar große Anlage geht auf eine Planung des damaligen Stadtbaudirektors Paul Rowald zurück, der auch die repräsentativen Eingangsbauten mit Kapelle und Leichenhallen entwarf, die 1892 eingeweiht werden konnten. Westlich an die Leichenhalle anschließend, ist ein Teil der bauzeitlichen Einfriedungsmauer erhalten. Ein streng axiales Wegesystem, das parallel zur Stöckener Straße verläuft, bildete das Grundgerüst der neuen Begräbnisstätte mit ihrer zeittypischen strengen Hierarchie von aufwendigen, oft künstlerisch gestalteten Erbbegräbnissen an den Hauptachsen sowie Wahl- und Reihengräbern in den dahinter gelegenen Grabfeldern. Eine ursprünglich12 Meter breite und von einer zweireihigen Allee begleitete Hauptachse durchschneidet das Wegeraster exakt diagonal von der Kapelle am südlichen Haupteingang ausgehend in nördliche Richtung. Julius Trip, der spätere erste Gartendirektor Hannovers und seit 1890 Leiter der gerade neu gegründeten Städtischen Gartenverwaltung, übernahm die Ausgestaltung der Schmuckanlagen rund um die Eingangsbauten. Sein wesentlicher Anteil, der den Stöckener Friedhof bis heute prägt und so besonders macht, ist jedoch die erste Erweiterung des Begräbnisplatzes ab 1901: Trip plante einen weitläufigen Parkfriedhof, in dem ein künstlich angelegter Teich mit Urneninsel das wesentliche Gestaltungselement bildet. Da der Grundwasserstand im gesamten Erweiterungsbereich für Bestattungen zu hoch war, konnte durch den Bodenaushub des Teiches zugleich das Gelände aufgeschüttet und landschaftlich modelliert werden. Südlich an die von hohen Bäumen umstandene Wasserfläche schließt sich eine hippodromförmig angelegte Abteilung an. 1913-18 plante Stadtgartendirektor Hermann Kube die dritte Erweiterung des bestehenden Friedhofs nach Nordosten und orientierte sich dabei an den Grundideen des Reformfriedhofs. Er nahm die diagonale Hauptallee als Mittelachse und schuf mit seiner architektonischen Gestaltung eine nahezu symmetrische Anlage. Die einzelnen, von Hecken gerahmten Abteilungen sind geometrisch angeordnet, ihre ebenfalls häufig durch Hecken geformte Innengliederung erlaubte eine dichte Belegung. Hier befinden sich östlich des Teichs auch die beiden großen Kriegsgräberstätten mit den Soldatengräbern des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Aufrecht stehende Steinkreuze erinnern zudem an die vielen Menschen, die durch die Bombardierungen Hannovers ums Leben kamen.
1964/65 sind große Teile des Stöckener Friedhofs entsprechend einem Gutachten von Werner Lendholt umgestaltet worden. Ein anderes Verständnis von Gestaltung bewirkte in einigen Bereichen eine Abänderung der strengen Wegeachsen und die Aufhebung der platzartigen Erweiterungen an den Kreuzungen. Die Wegebreite wurde reduziert, die einst wassergebundenen Wege befestigt, Alleen und Hecken beseitigt und neue, maschinengerechte Grabraster entwickelt. Auf der Grundlage eines Parkpflegewerks von 1997 konnte ein Teil der verloren gegangenen Alleen und Heckenabteilungen entsprechend den historischen Vorbildern wieder hergestellt werden.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Stöcken
- Gemarkung
- Stöcken
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- Hannover Stöckener Markt · 532 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)