Hannover, Landeshauptstadt, Stadtfriedhof Seelhorst, Gruppe baulicher Anlagen
Aufnahmen: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Lizenz CC BY-SA 4.0)
Den Grundriss des 1919 nach Plänen des Stadtgartendirektors Hermann Kube angelegten Stadtfriedhofs Seelhorst bildet ein strenges Achsenkreuz, in dessen Schnittpunkt sich der im expressionistischen Stil nach Entwürfen von Konrad Wittmann 1924 erbaute Gebäudekomplex von Kapellen, Krematorium und Betriebsgebäuden erhebt. Er steht genau in der Achse des ehemaligen Haupteingangs, dessen Gebäude zeitgleich entstanden. Verbunden werden beide Gebäudegruppen durch eine breite, zweireihige Lindenallee, die in ihren Maßen der Mausoleumsallee des Berggartens in Hannover-Herrenhausen entspricht. Auf beiden Seiten der Hauptachse sind entsprechend dem Konzept des Reformfriedhofs symmetrisch die einzelnen Abteilungen für Erd- und Urnengräber angeordnet, die bis heute zum Großteil durch streng linear gesetzte Hainbuchen- und Thujahecken sowie Buchen-, Linden-, Kastanien- und Eichenalleen gegliedert und gerahmt werden.
Hinter dem ehemaligen Krematorium nimmt ein lang gestrecktes und deutlich abgesenktes Wasserbecken die Funktion der Mittelachse wieder auf. Es wird flankiert von einheitlich gestalteten und bepflanzten Urnenabteilungen. Sie sind detailgenau erhalten: Cornushecken trennen und umrahmen die quadratischen Quartiere, ebenfalls quadratische Grabplatten und Rosenbeete bestimmen das Bild. Hier sind die strengen Vorschriften, die Kube für den ersten Bauabschnitt des Friedhofs erlassen hatte, besonders gut ablesbar: Nicht nur Größe, auch Steinart und Gestaltung der Grabsteine sowie die Höhe der Hecken waren genau festgelegt. Das Wasserbecken und die Urnenabteilungen sind von Kastenlinden eingefasst. Sie schaffen die optische Überleitung zum Kolumbarium, das den Abschluss der großen Ost-WestAchse bildet. Eine halbrunde Natursteinmauer, die zur Aufnahme der Urnen dient, umschließt die erhöhte, mit Kastanien bepflanzte Anlage. Das Halbrund aufnehmend, schließen sich weitere Urnenfelder an, die durch geschnittene Hainbuchenhecken gegliedert sind.
Nach dem zweiten Weltkrieg sind Teile des Seelhorster Friedhofs durch drei Kriegsgräberanlagen verändert worden: In der Hauptallee entstand eine Gedenkstätte für die Opfer der Konzentrationslager, im nordöstlichen Teil des Friedhofs wurde Anfang der 1950er Jahre eine zentrale Gedenkstätte für die Opfer beider Weltkriege angelegt - ein gartenkünstlerisch gestalteter, mit Birken und Eichen bestandener Hain, in dem mehr als 4.000 Opfer von Krieg und Bombardierungen bestattet sind. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand 1954 das Niederländische Ehrenfeld.
In den 1960er Jahren wurde der Friedhof nach Norden erweitert und der Haupteingang nach Süden verlegt. Hier entstanden die neuen Gebäude der Friedhofsverwaltung. Anstelle der Grabfelder zwischen neuem Eingang und Kapellen wurde ein weiter, von Rasen geprägter Raum geschaffen. Auch innerhalb der einzelnen Abteilungen gab es Veränderungen: Ein anderes Verständnis von Gestaltung bewirkte in einigen Bereichen eine Abänderung der strengen Wegeachsen, die einst wassergebundenen Wege wurden befestigt und neue, maschinengerechte Grabraster entwickelt.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Döhren
- Gemarkung
- Döhren
ÖPNV in der Nähe
- Hannover Hoher Weg · 246 m
- Hannover Neisser Weg · 346 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)