Hannover, Landeshauptstadt, Friedrichswall, Große Kugelform
Aufnahmen: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Lizenz CC BY-SA 4.0)
Die Skulptur „Große Kugelform “ von Karl Hartung (1908-1967, Bildhauer, Berlin) stammt aus der Zeit 1956. Das Objekt steht heute am Friedrichswall (nördliche Straßenseite) westlich des Gebäudes Aegidientorplatz 1, in der Achse zum Georgswall. Eine erste Version der Skulptur wurde in Gips für den Außenbereich des Berlin-Pavillons der Architekten Gebrüder Luckhardt (Hans Luckhardt, 1890-1954, Wassili Luckhardt, 1889-1972) im Rahmen der Constructa-Ausstellung auf dem Messegelände Hannover im Jahre 1951 geschaffen. Laut dem Werkverzeichnis zu Hartung (Markus Krause, 1998) gilt diese Version als zerstört. Die zweite, hier überlieferte Version der Skulptur wurde von Hartung 1956 in Muschelkalk gefertigt und war ursprünglich von der Stadt Hannover beauftragt und für den Außenbereich der Werner-von-Siemens-Schule (Am Welfenplatz, List, erbaut bis 1959) vorgesehen. Mit der Standortwahl an der Schule war die Landeshauptstadt offenbar unzufrieden und es wurde nach einem Platz gesucht, an dem die „Große Kugelform“ besser zur Geltung kommen sollte. Bereits in der Zeit ab 1959 wird die Skulptur auf einer Rasenfläche vor der Ostfassade des Neubaus der Magdeburger Versicherung (Architekten Walter Hämer, 1988-1974, Hardt-Waltherr Hämer, 1922-2012, Aegidientorplatz 1, 1958-59) aufgestellt, dies unter vorheriger Beteiligung des Künstlers, mit dem wohl zeitgleich auch eine gewünschte Umwidmung der Skulptur zum Symbol der deutschen Einheit/Mahnmal gegen die Teilung Deutschlands abgestimmt wurde. Seitdem ist das Kunstwerk mit einer annähernd quadratischen, im bündig im Boden eingelassenen steinerner Schrifttafel, die in Großbuchstaben den Schriftzug „Einigkeit und Recht und Freiheit“ trägt, ergänzend versehen. Seit 1976 steht das Kunstwerk am oben genannten Standort. Die Versetzung dorthin war durch den Baubeginn der direkt am Aegidientorplatz unterirdisch geführten Stadtbahntrasse notwendig geworden. Die in Kontinuität des Bezugs der Kunst zur Architektur schlüssige Standortwahl erfolgte verwaltungsintern seitens der Landeshauptstadt Hannover nach Bewertung mehrerer Varianten.
Denkmalbegründung: Mit der Skulptur „Große Kugelform “ von Karl Hartung wird eine sehr frühe künstlerische Entwicklung im Bereich der Kunst im öffentlichen Raum oder der architekturbezogenen Kunst in der Bundesrepublik Deutschland dokumentiert. Es handelt sich um die erste, heute noch erhaltene abstrakte Skulptur, die in Hannover im öffentlichen Raum aufgestellt worden ist. Sowohl für das überlieferte Werk von Hartung als auch für die Entwicklungsgeschichte der Skulptur im öffentlichen Raum in der Landeshauptstadt Hannover hat das Werk eine große Bedeutung: die „Große Kugelform“ von 1956 bildet einerseits den Auftakt für weitere öffentliche Aufträge Hartungs (großformatige Wandgestaltungen und Freiplastiken für den öffentlichen Raum, bzw. als Kunst am Bau in Antwerpen, Berlin, Bonn, Darmstadt, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Leverkusen und Marl), andererseits entstehen weitere abstrakte Skulpturen in Hannover erst ab den 1960er Jahren. Hartung war neben seiner einflussreichen Tätigkeit als Künstler ab 1951 Professor für Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste Berlin und von 1955 bis 1967 Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes. Aufgrund der Bedeutung für die Ortsgeschichte Hannovers, weiterhin aufgrund des überlieferten Zeugnis- und Schauwerts für die Bau- und Kunstgeschichte, sowie durch die beispielhafte und frühe Ausprägung eines Stils und als Werk eines überregional bekannten Künstlers, der künstlerischen Bedeutung aufgrund der vorhandenen (auch handwerklichen) Gestaltwerte, zuletzt auch aufgrund der gegebenen Seltenheit und der damit verbundenen wissenschaftlichen Bedeutung liegt die Erhaltung der Skulptur im öffentlichen Interesse.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Hannover
- Adresse
- Georgswall/Friedrichswall
- Gemarkung
- Hannover
ÖPNV in der Nähe
- Hannover Aegidientorplatz · 167 m
- Hannover Rathaus/Bleichenstr. · 192 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)