Hannover, Landeshauptstadt, Alter Nikolaifriedhof Am Klagesmarkt/Goseriede, Gruppe baulicher Anlagen
Aufnahmen: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Lizenz CC BY-SA 4.0)
Aufgelassener Nikolaifriedhof mit der Ruine des Chores der Nikolaikapelle im Süden. Der Friedhof wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Stadtgartendirektor Julius Trip zu einer Parkfläche umgestaltet. Auf der Anlage sind vielfältige Grabmale aus dem 16.-19. Jahrhundert erhalten. Im Osten des Friedhofs befindet sich eine Sandsteinmauer von 1780 mit rundem Mauerkopf.
Der Nikolaifriedhof entstand wohl im 13. Jahrhundert vor den Toren der Stadt als Grablege für die Toten des Nikolaihospitals, in dem Leprakranke aufgenommen wurden. Zusammen mit dem Hospital und der Nikolaikapelle bildete der Friedhof ein Leprosorium. Um 1348, 1428, 1566 und 1598 wurden hier auch an der Pest Verstorbene beerdigt, was zu einer ersten Erweiterung um 1350 und einer weiteren um 1598 führte. Ab 1384 wurden hier auch Verstorbene aus den Dörfern Herrenhausen, Hainholz, Vahrenwald und List beerdigt und ab dem 15. Jahrhundert auch Bewohner*innen der Stadt Hannover, da die städtischen Kirchhöfe überfüllt waren. Während des Dreißigjährigen Krieges kamen Soldaten hinzu. 1657 wurde der Friedhof nochmals um zwei Morgen Land erweitert. Durch die Überfüllung des Nikolaikirchhofs wurde 1737 der Gartenkirchhof in Nähe des Aegidientorplatz eingerichtet. 1783 und 1824 wurde der Friedhof wieder erweitert, wobei er bei der letzten Erweiterung eine Neugestaltung mit einem neuen Erschließungssystem, drei Eingängen und Baum- und Strauchsetzungen erhielt. Julius Trip baute zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf diese Neugestaltung auf. Der Friedhof war zu diesem Zeitpunkt schon längst zu einem innerstädtischen Friedhof geworden. Er war auch schon von Plätzen und Straßen, wie die Celler Straße (heute Goseriede), dem Klagesmarkt im Westen und der Straße, die heute Postkamp genannt wird, umgeben. Das Hospital, das nach einem Abriss 1728/1730 an der Stelle des Goseriedebades (heute Kestner Gesellschaft und Radio ffn) neu errichtet wurde, wurde im 20. Jahrhundert abgerissen. 1866 wurde der Friedhof geschlossen und an der Strangriede der Neue Nikolaifriedhof eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof zu einem Teil des Verkehrsknotenpunktes, wobei durch den Ausbau der Straßen Randflächen des Friedhofs verloren gingen. Die Nikolaikapelle wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 durch Luftangriffe zerstört. Im Rahmen des Umbaus Hannover City 2020+ wurden Straßenzüge wieder verkleinert und eine gepflasterte Platzfläche rund um die Ruine der Nikolaikapelle hergestellt.
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ÖPNV in der Nähe
- Hannover Hauptbahnhof/Rosenstraße · 492 m
- Hannover Am Klagesmarkt · 132 m
- Hannover Steintor · 290 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)