Buxtehude, Stadt, Kirchenstraße 2, St. Petri
Dreischiffige gotische Backsteinbasilika aus vierjochigem Langhaus und einem Chorjoch mit unregelmäßig fünfseitigem Schluss unter Walmdach in Hohlpfannendeckung sowie Westturm über quadratischem Grundriss. Errichtet vom Ende des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts.
Der Westturm erhielt 1587 seinen oktogonalen Oberbau, der 1674 und 1853 durch Blitzschlag abbrannte und bis 1858 durch J. Wimmel, Hamburg neu errichtet wurde. Über dem erhaltenen quadratischen mittelalterlichen Unterbau entwarf er einen hohen, eingerückten, oktogonalen Turmoberbau mit Strebepfeilern und Wimpergen unter einem schlanken Spitzhelm mit einem Seedrachen und Kreuz als Wetterfahne. Der Turm besitzt eine Kammer für das Uhrwerk mit kleinen Spitzbogenfenstern, ein Glockengeschoss mit hohen spitzbogigen Schalllucken und eine Uhrenebene mit runden Öffnungen, in denen ursprünglich die Stundenglocken hingen. Im Westen wurden in die Mittelachse des mittelalterlichen Turmunterbaus ein neues Archivoltenportal und Maßwerkfenster eingebracht. Verwendet wurden industriell hergestellte Backsteine und Gusseisenfenster, der Turmhelm ursprünglich in Schindel- heute in Kupferdeckung.
Von Langhaus und Chor sind die Außenwände durch die Maßwerkfenster und Strebepfeiler gleichmäßig gegliedert. Der Chor und die Seitenschiffe wurden unter der Leitung des Architekten Karl Börgemann aus Hannover 1898 bis 1899 aufgrund statischer Probleme niedergelegt und nach dem historischen Vorbild neu errichtet sowie das Mauerwerk des Obergadens neu verkleidet. Im Norden sind die mittelalterliche Sakristei und das Brauthaus von 1754 abgetragen worden. Ihre Wiedererrichtung erfolgte frei in neogotischen Formen – im Fall des Brauthauses in Anlehnung an historische Zeichnungen eines älteren Vorgängerbaus mit Treppengiebel, der vermutlich bereits im 17. Jahrhundert als Eingangsvorbau an die Kirche angebaut worden war. Ein Heizungshaus ist der Kirche erstmals im 19. Jahrhundert hinzugefügt worden, an seiner Stelle im Süden des Chores steht heute ein Neubau.
Im Inneren hat sich der Charakter des mittelalterlichen Kirchenraums erhalten. Der Raumabschluss erfolgt durch Kreuzrippengewölbe. Da Mittelschiff und Chor die gleiche Scheitelhöhe von ca. 19,50 m besitzen, bilden sie einen gemeinsamen, hoch aufragenden Raum aus. Die niedrige Höhe der Seitenschiffe von ca. 9,50 m ermöglicht die Ausbildung eines hohen Obergadens. Der Gewölbeschub des Mittelschiffes wird durch Zuganker abgetragen, die auf Höhe der Gewölbeanfänge ursprünglich als Holzbalken durch den Raum geführt wurden, heute durch Stahlstangen ersetzt sind. Von der Turmhalle haben sich Überreste eines Kreuzrippengewölbes hinter der nachträglich in diese eingebauten Orgel erhalten. Sie belegen, dass ursprünglich auch die Turmhalle in der gleichen Höhe wie das Mittelschiff überwölbt und zu diesem durch einen Bogen geöffnet war. Die Turmhalle bildete vor dem Bau des Brauthauses den ursprünglichen Haupteingang der Kirche, der über ein hohes Lanzettfenster im Westen belichtet wurde.
Die Wandgliederung steigert die Wirkung des ursprünglich ca. 51,50 m langen Kirchenraums von West nach Ost: Die Turmhalle war durch tiefe, raumhohe, spitzbogige Wandnischen gegliedert, von denen heute nur das untere, im 19. Jahrhundert durch neue Bögen abgeteilte Drittel öffentlich sichtbar ist. Im Langhaus werden die Wände durch Nischen und Formsteinprofile plastisch gegliedert: Im Mittelschiff erhebt sich über einer Arkadenzone aus Rundpfeilern und profilierten Scheidbögen ein durch ein Gesims abgesetzter Obergaden, den hohe, spitzbogige Wandnischen rahmen. Die Wände werden durch Dienste, die mit den Gurtbögen der Gewölbe korrespondieren, optisch in Joche untergliedert. Der Rhythmus der Fenster- und Nischengliederung verdoppelt sich in den Jochfeldern durch die Sechsteilung der Gewölbe im Mittelschiff und deren Fünfteilung in den Seitenschiffen. Im Chorjoch bilden die nur wenig gegliederten Blendarkadenwände dann einen Ruhepol bevor der fünfteilige Chorschluss mit einer dichten Folge von Diensten und doppelgeschossig angeordneten, plastisch profilierten Lanzettfenstern den Kirchenraum abschließt.
Die neogotischen Bleiglasfenster wurden um 1900 von der Firma Lauterbach und Schröder aus Hannover geschaffen. Die Hauptorgel im Westen von 1859 stammt von Philipp Furtwängler aus Elze; die neugotische Orgelempore 1985 rekonstruiert. Die sichtbare Ausmalung sowie das Farbkonzept für die Ausstattung der Kirche stammt aus der Zeit einer von 1963 bis 1967 dauernden Renovierung und erfolgte nach einem Entwurf des Malers Carl Frey-Talmühlen.
Historische Ausstattung: Als Hauptaltar ein zweigeschossiges barockes Altarretabel 1710 von Meister Hans Hinrich Römer aus Hamburg geschaffen; Kanzel mit Schalldeckel 1674; Halepagen-Altar, Haupttafel und Außenseiten der Flügel um 1510 Wilm Dedecke zugeschrieben, Innenflügel nach 1520, Predella 1641; Baldachinaltar 16. Jahrhundert; Marienaltar um 1410 aus dem Umkreis des Meisters Bertram von Minden (Kopie, Original als Dauerleihgabe in der Hamburger Kunsthalle); Passionsaltar um 1470 südniederländische Schnitzarbeit (Dauerleihgabe im Buxtehuder Heimatmuseum – dort weitere Stücke aus der Petri-Kirche ausgestellt); Chorgestühl um 1400; zeitgenössisches Gestühl mit geschnitzten Wangen aus der 1. Hälfte 16. Jahrhundert in Wiederverwendung; Sakristeischrank um 1500; Kruzifix um 1470; Gemälde Luther und Melanchthon 1587; Gemälde des Salvators 1635; Epitaphe - aus Sandstein: Familie Radeleves 1567, als Gemälde: Martin Möller 1585 und unbekannt um 1600, aus Marmor mit Stuck: Anna Hauto von Hautenberg 1634 versetzt 1770; als Gemälde mit Schnitzwerk: Dänischer Hofmusikus Michael Uhlich gest. 1673 gestiftet 1700; Kronleuchter im Mittelschiff, der westl. 1589, die beiden anderen 17. und 18. Jahrhundert (?). – Das mechanische Uhrwerk der Turmuhr von 1858 als Dauerleihgabe im Heimatmuseum Bockenem. – An der Südseite des Turms Gefallendenkmal 1914-1918 von Hermann Hosaeus 1924.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Buxtehude
- Adresse
- Kirchenstraße 2
- Gemarkung
- Buxtehude
ÖPNV in der Nähe
- Buxtehude, Hafenbrücke · 119 m
- Buxtehude, Viverstraße · 161 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)