Wietzendorf, Hauptstraße 18, St. Jacobi-Kirche
Die von Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) entworfene und 1876 als Ersatz für den abgebrochenen mittelalterlichen Vorgängerbau eingeweihte St. Jakobi-Kirche in Wietzendorf ist eine als unverputzter Backsteinbau ausgeführte neugotische dreischiffige Hallenkirche mit vier Jochen unter Satteldach. Die schmalen Seitenschiffe mit hölzernen Emporen sind durch je einen kleinen, an die westliche Außenwand des Langhauses angebauten Treppenturm erschlossen, dazwischen berührt das Langhaus einen konstruktiv eigenständigen hölzernen Glockenturm (sog. Glockenstapel), der nach neueren Untersuchungen 1545 datiert ist und von Hase in die Planung des Neubaus einbezogen wurde. Am östlichen Ende des Langhauses ragt ein Querhaus gering über die Flucht der Seitenschiffe hinaus, im Osten schließt sich ein 5/8-Chorschluss mit einer kleinen Sakristei im Scheitel an. Chor und Querhaus sind durch große, mit einfachem Maßwerk geteilte spitzbogige Fenster beleuchtet, am Langhaus sind die Fensterreihen aufgrund der Anlage von Emporen horizontal geteilt. Im Inneren ragen die Seitenschiffemporen durch starke runde Langhauspfeiler gestützt weit in das Mittelschiff hinein, verbunden sind sie im Westen durch die Orgelempore. Das Gestühl füllt ungeteilt das Mittelschiff aus und wird von den nicht bestuhlten, gangartigen Seitenschiffen erschlossen. Ebenfalls zur bauzeitlichen Ausstattung gehören die von Theodor Maßler (1844-1910) ausgeführte und am südöstlichen Vierungspfeiler angebrachte, farbig gefasste hölzerne Kanzel mit Schalldeckel, sowie vom selben Bildhauer die Mensa des Altars mit zwei Kommunionbänken und ein ehemals zum Altarretabel gehörendes, heute in der Nähe des Taufbeckens aufgehängtes Kruzifix. Vom Retabel ist der mittlere Teil mit den auf Tafelbildern dargestellten Aaron, Abel, Isaak und Melchisedek erhalten. Das Holzkreuz mit gemalter Christusdarstellung, das über dem Altar an der Ostwand des Chors überlebensgroß emporragt, ist Teil einer 1957 abgeschlossenen Umgestaltung des Kirchenraums durch den Kirchenmaler Rudolf Schäfer, zu der auch die seitlichen Ergänzungen des Altars sowie die großflächigen Wandmalereien an den östlichen Querhauswänden und im Chorgewölbe gehören. Die Orgel mit neugotischen Prospekt wurde bereits 1867 für die alte Kirche fertiggestellt. Das bronzene Taufbecken im Chor ist 1360-70 datiert. Im Gewölbe der Sakristei ist als Spolie ein Schlussstein des mittelalterlichen Vorgängerbaus eingemauert, eine auf Bartholomäus deutende Inschrift ist möglicherweise ein Hinweis auf ein früheres Patrozinium.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Wietzendorf
- Adresse
- Hauptstraße 18
- Gemarkung
- Wietzendorf
ÖPNV in der Nähe
- Wietzendorf Bahnhof · 605 m
- Wietzendorf Rathaus · 127 m
- Wietzendorf Dethlinger Weg · 578 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)