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Bahnhof Nordstemmen

Bahnhof (Baukomplex) · Teil einer Denkmalgruppe (Ensemble) · Nordstemmen

Aufnahmen: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Lizenz CC BY-SA 4.0)

Bahnhofskomplex südöstlich des Schulenburger Berges: Das Empfangsgebäude bildet den inneren Kern einer weitläufigen Bahnhofsanlage in Insellage. Daneben gehört eine Wagenremise im Nordosten, im Südwesten ein weiteres Betriebsgebäude zu der Denkmalgruppe dazu. Das als polychromer Backsteinbau mit Terrakotta- und Sandsteinelementen ausgeführte Empfangsgebäude wurde ab 1852 von Conrad Wilhelm Hase unter Mitwirkung von Adolph Funk und Julius Rasch geplant. Hase war bereits zu Beginn seiner Karriere, 1842-48, als Architekt bei der Hannoverschen Eisenbahn angestellt. Der Begründer der sog. Hannoverschen Schule, mittels welcher sich ab den 1860er Jahren ein verbindlicher Formkanon für beinahe den gesamten norddeutschen Raum verbreitete, wurde im Jahr 1852 mit den Entwürfen für die sechs neu zu errichtenden Empfangsgebäude entlang der Bahnlinie Hannover-Göttingen beauftragt, darunter Nordstemmen. Ab 1858 erfolgte dann die Erweiterungs- bzw. Umbauplanung der Anlage als königlicher Empfangsbahnhof. Der breite, eingeschossige Mittelteil, von einem risalitartig ausgebildeten flachen Dreiecksgiebel betont, wird im Nordosten und Südwesten gerahmt von zweigeschossigen Eckrisaliten unter Zeltdach. Deren nördliche bzw. südliche Frontseite vermittelt als Schauseite mit Blendgiebeln. Das Untergeschoss ist charakterisiert durch Rundbogen-, das Obergeschoss durch Segmentbogenfenster. Ziegelformsteine und aufwändig gefertigte Konsolsteine wie auch die bauplastischen Werkstücke aus Sandstein beleben den Außenbau. Fensterrosetten mit neugotischen Maßwerkformen sowie den Portalgewänden an den beiden Stirnseiten sind Ausdruck einer qualitätvollen kunsthandwerklichen Bearbeitung des Werksteins. Neben Vierpassformen in den Brüstungsfeldern befinden sich dort auch die flankierenden, vollplastischen Rundstützen, die mit filigran ausgearbeiteten Kompositkapitellen versehen sind. Bereits zum Ursprungsbau gehörte die sog. Perronüberdachung, d.h. Vordächer, die auf eisernen Rundsäulen an den Stirnseiten und auf detailreich ausgearbeiteten Wandkonsolen ruhen. Quadratische Terrakottaplatten mit stilisierter Pflanzenornamentik wurden in den Brüstungsfeldern im Erdgeschoss und als Friese zu den turmartigen Ecklisenen der Ziergiebel an den Stirnseiten zusammengestellt. In unmittelbarer Nähe zum Empfangsgebäude haben sich gleichfalls in Insellage zwischen den beiden Gleisbetten die Wagenremise von 1853 im Norden und das Betriebsgebäude mit Wartesaal von 1908 im Süden bis heute erhalten. Sie stehen in einer engen funktionalen und räumlichen Verbindung zum Empfangsgebäude. Wagenremisen gehören zusammen mit Güterschuppen zur Grundausstattung der frühen hannoverschen Bahnhofsanlagen, diejenige in Nordstemmen kann als niedersachsenweit erste ihrer Art angenommen werden. Sie war der Unterstand für den königlichen Kutschwagen, mit dem der Transfer der Welfenfamilie vom Bahnhof zur Marienburg erfolgte. Stilistisch entspricht die Nordstemmer Wagenremise dem Empfangsgebäude, während das Betriebsgebäude mit Wartesaal in der Verbindung von Putz- und Klinkerbau bereits auf modernere Bauformen der unmittelbaren Vorkriegszeit verweist. Der vollständig erhaltene Bestand der weitläufigen, durch die Gleisführung formierten Bahnhofsanlage bildet den Ausgangspunkt für weitere bauliche Anlagen am nördlichen Rand des Dorfes Nordstemmen. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist der Ort zu der heutigen Bahnhofsvorstadt angewachsen, darunter Wohnhäuser für die Bediensteten und zusätzliche Gasthöfe.

Denkmalschutz-Kennung
Gemarkung Nordstemmen, Nr. 35
Gemarkung
Nordstemmen
Baujahr
1842

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)