Jühnde, Dorfstraße 1, Schloss; Rittergut Jühnde
Neuzeitlicher, dreigeschossiger Schlossbau unter Satteldach mit Aufschiebling in Ziegelpfannendeckung, in zwei Gebäudeflügeln polygonal abgeknickt und an einen mittelalterlichen, etwa 30 m hohen Westturm angeschlossen. Der Turm aus Kalkbruchstein bildet den Wehr-/Wohnturm der alten Burganlage, mit allseitig ausgerichteten und erhaltenen Schießcharten, oben von einem neuzeitlichen Fachwerkaufsatz abgeschlossen. Das Erdgeschoss ist kreuzgratgewölbt, dort befinden sich erhaltene mittelalterliche Waschbecken. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine zweigeschossige, repräsentative Halle mit sandsteingefassten Rundbogennischen und Balkendecke sowie einer reichen hölzerne Empore des 19. Jh. Über der zweiten Deckenebene ist der Turm dreigeschossig gegliedert mit wohl ehemals inneren Wehrgängen. Der abschließende Fachwerkaufsatz dient heute Falken als Hort. Südlich vom Turm befindet sich ein neogotischer Anbau unter Walmdach, die vorgelagerte Terrasse war ursprünglich mit Fachwerk überfangen.
Das Herrenhaus ist ein in den Jahren 1668 auf den Burgfundamenten neu aufgebauter Putzbau. Auf der nördlichen Fassadenseite befindet sich die frühere Tordurchfahrt in sandsteingefassten Rundbogen, mit einem darüber positionierten manieristischen Relief mit Wappenschildern des Groteschen und Alefeldischen Hauses sowie flankierenden Hermen des Stifterpaares. Im Erdgeschoss sind sandsteingefasste, teils gekuppelte Fenster, ursprünglich mit Gittern versehen. In den oberen Stockwerken befinden sich zumeist holzgefasste Fenster, bei den mit horizontaler Dreigliederung im Obergeschoss des östlichen Anbaus zur Seite des Innenhofes handelt es sich um Originalbestand. Die äußere Fassade in Sichtmauerwerk, das Obergeschoss mit Schiefer bzw. Schieferimitat verkleidet, die hofseitige Fassade hingegen ist vollständig verputzt. Die Front des Gebäudes ist zu verschiedenen Zeiten oftmals verändert worden, die heutige Form ist um 1807 entstanden. Im Zuge dieser Veränderungen wurden auch wohl die Keller zugeschüttet, wie auch die vielen Kammern mit originalen Schnitzereien, Säulen und Treppen verschwunden sind. Das Schloss enthält eine Vielzahl hoher Räume, im Erdgeschoss mit tatsächlicher neuzeitlicher auf den Burgfundamenten ruhender Deckenbalkenkonstruktion. Zum Highlight der Innenausstattung gehört der original-erhaltene große Saal, mit verschiedenen Ausstattungsphasen und einem raumdominierenden Kamin in reicher Stuckverzierung. Die Räume sind teils zu Wohnzwecken modern ausgebaut worden, originale wandfeste Ausstattung wie Holztüren, barocke Haupttreppe oder Glasmalereien des. 19. Jh. sind erhalten. Das Gebäude besitzt wohl ebenfalls noch den bauzeitlichen Dachstuhl der Neuzeit.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Jühnde
- Adresse
- Dorfstraße 1
- Gemarkung
- Jühnde
ÖPNV in der Nähe
- Jühnde Beekestraße · 121 m
- Jühnde Barlisser Straße · 250 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)