Marienhafe, St. Marien-Kirche
Der heutige einschiffige Backsteinsaal mit Satteldach und mächtigem Westturm auf quadratischem Grundriss war ursprünglich eine dreischiffige kreuzförmige Backsteinbasilika mit Querhaus und Westturm. Chor und Querschiff mit halbrunden Apsiden sind noch vor Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden, um 1250/60 kam das Langhaus hinzu, dessen Mittelschiff ursprünglich etwas breiter, niedriger und mit größerem Pfeilerabstand geplant worden war. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich das Bauwerk in so schlechtem Zustand, dass 1829-31 Chor, Querschiff, Seitenschiffe, Gewölbe und Obergadenwände von den Kämpfern der Hauptpfeiler an abgebrochen werden mussten, 1833-34 dann auch die Treppentürme und die beiden oberen Geschosse des Westturmes. Die Restkirche aus dem großen viergeschossigen Westturm und dem Mittelschiff lässt noch die Monumentalität der Architektur spüren, insbesondere in den mächtigen, reichprofilierten Hauptpfeilern, zwischen denen kräftige Rundpfeiler stehen. Die Arkaden wurden im unteren Bereich vermauert und im oberen Bereich verglast. Über der heutigen klassizistischen Bretterdecke mit großer Voute sind noch die Ansätze der Wulst- und Bandrippen erhalten, daran wie auch an den Resten der Gurt- und Schildbögen haben sich Spuren der originalen Polychromie des 13. Jahrhunderts in geometrischen Mustern mit den Farben Schwarz, Weiß, Rot erhalten. Von der reichen Innenausstattung sind ein Taufstein des Bentheimer Typs vom Anfang des 13. Jahrhunderts erhalten, die 1669 datierte Kanzel mit schlanken gewundenen Ecksäulen und den vier Evangelisten unter Rundbögen. Die große Orgel mit Rückpositiv ist 1710-13 vom Arp-Schnitger-Schüler Gerhard von Holy aus Esens gebaut worden. Johann Gottfried Rohlfs aus Emden montierte sie vor dem Teilabbruch der Kirche ab und 1831 auf der Westempore unverändert wieder auf. Von der einst reichen Bauplastik hat sich ein kleiner Teil erhalten und wird im ersten Obergeschoß des Turmes, das einst zum Schiff in breitem Spitzbogen geöffnet war, aufbewahrt. Neben Kapitellen, Konsolen und Tympana sind vor allem die Reste eines einst 127 Einzelbilder umfassenden Relief-Frieses zu erwähnen, der unter dem Dachgesims der Außenwände entlanglief.
- Denkmalschutz-Kennung
- Gemarkung Marienhafe
- Adresse
- Am Markt 25
- Gemarkung
- Marienhafe
ÖPNV in der Nähe
- Marienhafe Bahnhof · 241 m
- Marienhafe Tjüche B72/Burgstraße · 732 m
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalatlas Niedersachsen (Lizenz CC BY-SA)